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DVPZ e.V. wählt neuen Vorstand
Auf seiner Mitgliederversammlung im Rahmen der diesjährigen DGU-Jahrestagung hat der DVPZ e.V. einen neuen Vorstand gewählt. Als Vorsitzender wurde R. Berges, Köln, im Amt bestätigt, der den Verein nach dem Ausscheiden von Eickenberg im Mai kommissarisch geführt hatte. Als Stellvertreter gewählt wurde J. Wolff, Viersen, als Schatzmeister Goepel, Velbert. Schriftführer (L. Weissbach, Berlin) und Generalsekretär (O. Theuerkauf, Weimar) wurden in ihrem Amt bestätigt.
Die Mitgliederversammlung wurde anschließend von Berges über bevorstehende Gespräche mit der DKG informiert, die Möglichkeiten einer engeren Kooperation ausloten sollen.
Ebenfalls Thema auf der Mitgliederversammlung war die in den Medien und auf dem Jahreskongress diskutierten Zuweiserpauschalen.
Hierzu möchte der DVPZ in folgendem genauer Stellungnehmen, das die Diskussion auch Zertifikatgeber und -nehmer betreffen könnte.

Klasse statt Masse
Ebenfalls Thema auf der Mitgliederversammlung war die in den Medien und auf dem Jahreskongress diskutierten Zuweiserpauschalen. Hierzu möchte der DVPZ in folgendem genauer Stellung nehmen, da die Diskussion auch Zertifikatgeber und -nehmer betreffen könnte.
Der Dachverband der Prostatazentren Deutschlands e.V. verfolgt ein sektorenübergreifendes und „indikatives“ Zertifizierungskonzept. Sektorenübergreifend, weil ambulante und stationäre Versorgung durch das Zertifikat gleichermaßen über den gesamten Krankheitsverlauf erfasst werden. Indikativ, weil nicht die Fallzahl einer Behandlungsmethode das Hauptkriterium der Qualitätssicherung ist, sondern nur die Gesamtzahl und die – evtl. mit mehreren Fachgruppen in einer Indikationskonferenz - vorgeschlagene Therapie. Damit bildet das Zertifikat des DVPZ die Anforderungen an die moderne und angemessene Versorgung von Prostatakrebspatienten ab.
Das sektorenübergreifende Konzept bindet die niedergelassenen Kollegen bereits beim Aufbau ihres Zentrums mit ein. Sie können und sollen mitentscheiden, wie das gemeinsame Prostatazentrum aussehen soll, welche Strukturen und Abläufe die Zertifizierungsvorgaben zu erfüllen haben und ob sie für alle Beteiligten gleichermaßen praktikabel sind. Dabei spielen die Workshops des DVPZ eine entscheidende Rolle: Sie vermitteln Klinikern und Niedergelassenen gemeinsam Sinn und Hintergrund der Vorgaben und unterstützen die Beteiligten darin, beim Aufbau die Anforderungen für die eigenen Bedürfnisse optimal umzusetzen. So wird sichergestellt, dass bei der Versorgung nicht nur die Patienten erfasst werden, die sich über die Sektorengrenzen hinweg bewegen (z.B. zur Operation aus der Praxis in die Klinik), sondern dass auch die große Zahl jener Fälle dokumentiert werden, die diese Grenze nie überschreiten, weil sie ausschließlich ambulant versorgt werden: Patienten unter „Active Surveillance oder Watchful Waiting und solche mit Bestrahlung oder unter Hormontherapie.
Das ist die wesentliche Voraussetzung für das zweite Kernstück des Zertifikates: die angemessene Indikation als Hauptkriterium der Qualitätssicherung. Die Indikation ist nicht nur das Herzstück ärztlicher Tätigkeit, sondern ethische Verpflichtung gegenüber dem Betroffenen. Ein Konzept, das die vor allem die Fallzahlen einzelner therapeutischer Eingriffe beinhaltet, kann dem Patienten mit einem Prostatakarzinom nicht gerecht werden. Hier geht die Schere zwischen Mortalität und Inzidenz immer weiter auseinander. Die Diskussion um Übertherapien infolge der PSA-gestützten Früherkennung gewinnt seit den letzten Screening-Studien an Brisanz. Dem begegnen moderne Konzepte wie „Active Surveillance“. Deren Integration in ein Zentrum ist aber nicht möglich, so lange sich die einzelnen Fachgruppen vor allem darum bemühen müssen, beispielsweise vorgeschriebene Operationszahlen zu erreichen. Die Konsequenz ist Übertherapie im Dienste des Zertifikates und zu Lasten des Betroffenen.
Die entbrannte Diskussion über Zuweiserpauschalen ist durchaus notwendig, denn die Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung ist nicht nur politisch gewollt, sie wird durch konkrete rechtliche Vorgaben forciert. Dies allerdings, ohne die Lasten gerecht zu verteilen oder die entstehenden Kosten im Entgeltsystem angemessen abzubilden. Dennoch darf ein Zentrumszertifikat durch seine Vorgaben solche Zuweisermodelle nicht begünstigen.
Dass es auch anders geht, zeigt eine Initiative aus Köln, die alle Kliniken unter Einschluss der Universität im Verbund mit allen Urologischen Praxen in einem DVPZ-Zertifikat vereint. Hier hat niemand einen Nutzen von einer Einweiserprämie. Im Vordergrund steht einzig die alle Sektoren umfassende hochwertige Versorgung der Betroffenen und nicht nur Versorgung der operierten Patienten. Das Kölner Modell könnte eines mit Zukunft sein.
Das DVPZ-Zertifikat bildet Inzidenzen ab, indem es alle Erkrankungsfälle eines Zentrums erfasst – unabhängig von der Therapie. Das DVPZ-Dokumentationsmodul, das auf die Versorgungsaspekte ausgerichtet ist, wird Daten über alle Tumorstadien hinweg zeigen, so dass wir wissen werden, wie und mit welchem Ergebnis in unserem Land versorgt wird. Damit sind wir mitten in der Versorgungsforschung. Diese ist ein wichtiges Ziel der Zentrenbildung. Es ist nicht das Ziel, möglichst viele Patienten zu operieren.
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